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Autor:

Volker Schwarz

 

Fachanwalt für Familienrecht, Fachanwalt für Arbeitsrecht
und Notar in Erlensee

 

 

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Wie lange muss ich Unterhalt
für mein Kind zahlen?

 

So ist das manchmal im Leben: Man freut sich wie verrückt, Eltern zu werden, aber dann werden die Kinder älter und entwickeln sich leider nicht immer so, wie Mama und Papa sich das wünschen. Dann stellt sich schon einmal die Frage: „Wie lange muss ich eigentlich für mein Kind Unterhalt zahlen?“

 

Der Bundesgerichtshof hat zu diesem Thema in den vergangenen Jahren immer wieder Entscheidungen treffen müssen. Im Folgenden möchte ich Ihnen einen kleinen Überblick über die aktuelle Rechtslage geben:

 

Zunächst einmal muss ein weit verbreiteter Irrtum ausgeräumt werden. Immer wieder kommt es in der alltäglichen Beratungspraxis vor, dass Mandanten davon ausgehen, dass eine Unterhaltsverpflichtung gegenüber dem eigenen Kind mit Volljährigkeit oder mit Vollendung des 25. Lebensjahres des Kindes endet. Dies ist ausdrücklich nicht der Fall. Grundsätzlich gilt, dass die Lebensstellung des Kindes gesichert sein muss, was in der Regel der Fall ist, wenn das Kind eine Ausbildung abgeschlossen hat, mit der dann auch ein eigenes Einkommen erzielt werden kann.

 

Dann wiederum stellt sich die Frage, welche Belastungen müssen Eltern aushalten? Wie lange darf ein Student während seines Studiums „bummeln“? Was gilt bei abgebrochenen Ausbildungen? Oder bei Aufbaustudiengängen? Die Konstellationen sind hier äußerst vielfältig.

 

Beispielsweise hatte der BGH vor einiger Zeit einen sogenannten „Abitur-Lehre-Studium-Fall“ zu entscheiden. Das bedeutet, dass ein Kind zunächst das Abitur abschließt, anschließend eine Lehre beginnt, diese abschließt und auf diese Lehre aufbauend ein Studium beginnt.

In derartigen Fallkonstellationen verlangt der Bundesgerichtshof grundsätzlich einen engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang zwischen Lehre und Studium. Dies war im vorliegenden Fall unproblematisch, da das Kind eine Lehre zur anästhesietechnischen Assistentin abgeschlossen hatte und anschließend ein Medizinstudium beginnen wollte. Hierbei akzeptiert der Bundesgerichtshof grundsätzlich auch kurzzeitige Unterbrechungen, etwa aufgrund fehlender Zulassung zum Studiengang. In diesen Fällen muss dann jedoch nachgewiesen werden, dass sich das Kind durch durchgängige Bewerbungen um einen Studienplatz bemüht hat.

 

Der Bundesgerichtshof hebt in diesen sogenannten „Abitur-Lehre-Studium-Fällen“ jedoch hervor, dass die Eltern durch diesen Ausbildungsweg in ihren wirtschaftlichen Belangen stärker und insbesondere auch wesentlich längerfristig betroffen sein können als bei einem „herkömmlichen“ Ausbildungsweg. Aufgrund dessen legt der Bundesgerichtshof zum einen großen Wert darauf, dass das unterhaltsberechtigte Kind die Eltern so früh wie möglich informiert und auf dem Laufenden hält, damit diese ihre Lebensplanung darauf einrichten können. Zum anderen weist der Bundesgerichtshof darauf hin, dass eine Unterhaltspflicht umso weniger in Betracht kommt, je älter der Auszubildende bei Abschluss einer praktischen Berufsausbildung ist. Es müssen daher von den Eltern nicht „endlose“ Wartezeiten vor Studienbeginn akzeptiert werden.

 

Wie bei allen Entscheidungen kommt es im speziellen natürlich auch auf die Umstände des Einzelfalles an. Daher kann nie eine pauschale Antwort zu einem Fall gegeben werden, ohne dass man wirklich die konkreten Umstände, zeitlichen Abläufe etc. kennt.

 

 

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