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Autor:

Dr. med.

Bruno A. Wegerich

 

Er ist Arzt für Kinder- und Jugendmedizin, verheiratet und Vater von vier Kindern

 

 

 

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Impfungen – Pro und kein Contra

Impfungen für Kinder – warum die Vorbehalte?

 

Kinderimpfungen – millionenfach segensreich verabreichte Präparate und doch immer wieder und derzeit zunehmend Diskussionsstoff bei Eltern, in Internetforen und Beiträgen von selbst ernannten Experten. Warum nur?

 

Die Antwort ist einfach und schwierig zugleich. Einfach, wenn man es unter den Stichworten „Vertrauen“ und „Angst“ sieht. Im Idealfall schenkt Vertrauen ein freier Mensch in  unbedrängter Situation - also ohne Notlage - einem anderen Menschen, der es sich - im besten Fall durch sein Tun und Handeln - verdient hat. Aber: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ lautet das geflügelte Wort, das seine volle und reale Berechtigung hat. Wie also Vertrauen schenken, wie Kontrolle erlangen?

 

Schwierig - zugegebenermaßen. Schwierig auch, weil nicht zuletzt Angst und allgemeine Vorbehalte ebenfalls eine Rolle spielen. Als Eltern möchte man das Beste für sein Kind. Dazu muss man Entscheidungen für dieses Kind treffen. Und die Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen, ist nachvollziehbar begründet. Verfügbare Medien, allen voran das Internet, versprechen uns vollumfängliches Wissen auf der Höhe der Zeit. Wissen ist zweifellos heute in hohem Maße frei verfügbar und das ist demokratisch und gut so. Unschwer ist aber zu erkennen, dass vieles nur einfache Informationen, Meinungen oder gar gezielte Des- bzw. Falschinformationen von Interessengruppen darstellt. Gesichertes Wissen ist in der Minderheit.

 

Hinzu kommt, dass Gesundheit seit langem  ein  riesiger Markt geworden ist. Viel „Information“ und erwecktes „Bewusstsein“ sollen dazu dienen, mitreden zu können und sich eigenverantwortlich   seiner Gesundheit anzunehmen. Arzt und Patient sollen sich dann - wenn ein Kontakt erforderlich ist - auf Augenhöhe begegnen. Das Missverständnis liegt leider darin, dass damit nur die zwischenmenschliche Augenhöhe zwischen einem informierten Patienten und einem zugewandten und wissenden Arzt gemeint ist, nicht die Situation „Experte trifft Experten“. Wenn einem als Patient bzw. Eltern bis zu zwölf Jahre Aus- und Weiterbildung bis zum Facharzt schon keinen Respekt abringen, sollte wenigstens langjährige Berufserfahrung - hier im speziellen Fall mit Impfungen (die gibt es auch schon lange) - Vertrauen geben können. Sich als Laie zum Experten zu erheben, erscheint schlichtweg töricht.

 

Die anfangs genannte Schwierigkeit in der Beantwortung der Frage nach dem „Warum“ bezüglich der Notwendigkeit von  Impfdiskussionen mag auch in zwei weiteren Aspekten liegen. Kaum jemand aus der letzten und jetzigen Elterngeneration wird ausreichend Alltagserfahrungen mit den Krankheiten haben, gegen die geimpft werden kann. Gut, Windpocken mögen viele noch gehabt haben. Aber wer hat noch Diphterie, Tetanus oder Kinderlähmung mit eigenen Augen gesehen? Wer kennt noch jemanden mit schweren Restschäden nach Masern? Wer noch kleine Säuglinge, die an Keuchhusten verstarben? Die Erreger gibt es aber alle noch (auch Polio). Die Tatsache, dass wir die Erkrankungen heute nicht mehr sehen, ist allein den langjährigen Impfungen und den mehr oder weniger ausreichenden Durchimpfungsraten zu verdanken. Risiken, wenn auch „unsichtbar“ bestehen weiter. Der zweite Aspekt ist der, der uns Menschen leider nur allzu sehr zu eigen ist. Wir leben im Heute und denken wenig an Zukünftiges. Das betrifft Impfungen genauso wie den Raubbau am Planeten. Ändern kann dies jeder nur selbst.

 

Liebe Eltern!

Noch immer gibt es in Deutschland keine Impfpflicht für Kinder. Das mag unter dem Gesichtspunkt einer freiheitlichen Grundordnung nachvollziehbar sein. Vom kinderärztlichen Standpunkt aus wäre eine Impfpflicht jedoch durchaus mehr als wünschenswert.

 

• Impfungen sind eines der besten Dinge, die medizinische Forschung je hervorgebracht hat. Das Risiko von Impfschäden ist extremst gering. Die notwendigen Hilfsstoffe in den Präparaten sind kein Grund zu Befürchtungen (Aluminium etc.). Impfungen bewirken keinen Autismus.

 

• Auch wenn ungeimpften Kindern im Moment wenig passieren dürfte, da sie durch die vielen, sie umgebenden Geimpften hier geschützt werden, gefährden Sie Ihr ungeimpftes Kind über die Lebenszeit gesehen. Nicht zuletzt im Hinblick auf unsere „globale“ Lebensweise inkl. Fernreisen. Impfen ist zudem nicht nur eine persönliche Sache, sondern auch soziales Handeln. Sich als Ungeimpfter auf dem Schutz durch andere „auszuruhen“, ist in hohem Maße unsozial.

 

• Nicht alle Impfungen sind gleichrangig wichtig. Lassen Sie sich von Ihrem/einem Kinderarzt beraten. Manch individuelle Regelung ist möglich.

 

• Wenn Sie sich gegen Impfungen entscheiden, entscheiden Sie sich nicht für „etwas“ sondern für „nichts“. Sie selbst können Ihr Kind nicht schützen und damit die Risiken des Nichtgeimpftseins „ausgleichen“.

 

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